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Dienstag, 13. Januar 2015

Was Männer ertragen müssen, wenn sie sich aus Geldnot zum Dienst an der Waffe verpflichten

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Praxis der Musterungsuntersuchungen und den niedrigen Bewerberzahlen bei der Bundeswehr? Diese Frage wird hinter vorgehaltener Hand seit Jahren in der Bundeswehr diskutiert. Das belegt ein nun öffentlich gewordenes Dokument des Sanitätsdienstes der Bundeswehr.

Hier geht es zu einem aktuellen Beitrag von uns auf Cuncti. 

Freitag, 7. Juni 2013

"Ökonomische Wehrpflicht", was ist das eigentlich?

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland, scheint das Argument des Zwanges im Bezug auf Grundwehrdienst und Musterung vom Tisch zu sein . Die alten staubigen Kreiswehrersatzämter heißen jetzt "Karrierecenter", auf neu gestalteten Flyern der Bundeswehr lächelt eine junge Frau in Marineuniform, auf der Facebook Seite der Bundeswehr schwebt ein Transporthubschrauber vor blauem Himmel. Die Bundeswehr gibt sich viel Mühe, sexy zu wirken. Ruben Karschnick hat das neue Image der Bundeswehr, vor wenigen Wochen, in einem Artikel für Zeit Online etwas genauer unter die Lupe genommen. 
Wirft man jedoch einen Blick in diese "neuen Karrierecenter" stellt man fest, dass hier ein massiver Etikettenschwindel betrieben wird. Die Gebäude sind die gleichen, die Mitarbeiter sind die gleichen, die Untersuchungsmethoden sind die gleichen und auch das Verhältnis der Geschlechter im Sanitätsdienst ist immer noch gleich. Überwiegend männliche Bewerber und überwiegend weibliches Personal. Alter Wein in neuen, nun ja, eher neu angestrichenen, Schläuchen. Gut zugegeben, die Rekruten anschreien und ihnen im Befehlston klar zumachen, dass sie sich jetzt gefälligst nackig zumachen haben, das traut man sich heute nicht mehr. Ist aber auch nicht nötig, denn die jungen Männer die heute den Weg in die Kreiswehrersatzämter finden wollen um jeden Preis tauglich gemustert werden. Die machen alles was man ihnen sagt, weil sie gefallen wollen. Aber warum lassen sie das mit sich machen? 
Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist, auch wenn Deutschland im europäischen Vergleich relativ gut dasteht, weiterhin angespannt, so dass die Bundeswehr eine willkommene Flucht nach vorne für jene darstellt, die auf dem zivilen Arbeitsmarkt durchs Raster gefallen sind. Das weiß man bei der Bundeswehr und macht den Verdienst und die Sicherheit des Arbeitsplatzes zum zentralen Faktor der Werbekampagne.
Ihre finanziellen Vorteile lautet die Überschrift auf Seite zwei der Broschüre die für den "freiwilligen Wehrdienst" der Bundeswehr wirbt. Steuerfreier Wehrsold, Wehrdienstzuschlag, Sonderzuwendung, Entlassungsgeld, Zuschläge für Auslandseinsätze und einiges mehr, das sind die Argumente, die potentielle Bewerber, wie man Rekruten bei der Bundeswehr jetzt nennt, vom Dienst in der Bundeswehr überzeugen sollen.
Diese Bewerber, die aus finanzieller Not in die Bundeswehr getrieben werden und unter allen Umständen tauglich gemustert werden wollen, werden sich hüten, sich über erzwungene Nacktheit und über Ärztinnen und Truppenschreiberinnen des anderen Geschlechts zu beschweren. Diese jungen Männer werden erst spät merken, was man mit ihnen gemacht hat und dann ist es zu spät. Die Bundeswehr hat eine Verantwortung gegenüber diesen Menschen. Das betrifft zum einen die angemessene Aufklärung über die Risiken von Auslandseinsätzen, das betrifft die fachgerechte Beurteilung des Gesundheitszustandes des Bewerbers und das betrifft vor allem auch die menschenwürdige Behandlung, jener die sich "freiwillig" zum Dienst melden. Dort wo die ökonomische Not Menschen zum Opportunismus zwingt, darf es keine Profiteure geben, die diese Not ausnutzen. Auch wenn es teurer ist, Rekruten für urologische und proktologische Untersuchungen an zivile Fachärzte zu verweisen - an der Würde des Menschen darf nicht gespart werden. Auch nicht wenn es sich um Männer handelt. 

Samstag, 1. Juni 2013

Die Wandlung des Krieges und das Ende der Wehrpflicht

In einem längeren Essay widmet sich der Friedensaktivist Hans Lammerant den Ursprüngen der Wehrpflicht und der Geschichte der Wehrpflicht. Er analysiert sorgfältig, die Veränderungen in der Art der Kriegsführung, angefangen von nationalen Armeen, über Massenarmeen bis hin zu zeitgenössischen Formen des Krieges, die durch den Einsatz moderner Technik und Dronen geprägt sind und für ihr Unheil keine Massen an Menschen und Kanonenfutter mehr benötigen. Am Ende seines Aufsatzes stellt der Aktivist die Frage, was diese Entwicklung für die Friedensbewegung bedeutet:

Conscription may disappear from Europe, but militarism is far from gone. The transformation of military strategies means that the antimilitarist movement also has to adapt its mode of action.

Das Gespenst Wehrpflicht ist, in Europa, das zeigen die Debatten in Skandinavien, Österreich, der Schweiz und einigen anderen Ländern, noch nicht eingefangen. Ihre Legitimation hat die Wehrpflicht, sollte sie je eine wirkliche Legitimation gehabt haben, auch aus militärischer Sicht verloren. Anstelle Argumente der militärischen Notwendigkeit zu diskutieren verlagert sich die Debatte immer mehr auf Nebenschauplätze, die auf einmal zentrale Bedeutung in der Rechtfertigung der Wehrpflicht erlangen. Dabei spielen Organisationen wie das Rote Kreuz, die von der Zwangsarbeit junger Männer unmittelbar profitieren eine unrühmliche Rolle. Zu der faktischen Wehrpflicht hat sich in jenen Ländern, die die Wehrpflicht ausgesetzt oder abgeschafft haben, eine  "ökonomische Wehrpflicht" gesellt. Ein scheinbar sicheres Gehalt, zwingt vor allem Männer in den Krieg. Wenn Lammerant davon spricht, dass sich die Antimilitaristische Bewegung an die neuen Umstände anpassen muss, dann müssen diese Phänomene in Augenschein genommen werden. 

Der Aufsatz von Lammerant ist unbedingt lesenswert und findet sich hier.